Geschichte

Klasse 9a

 

Liebe Schüler,

 

es wird wohl noch zwei Wochen dauern, bis für euch wieder Unterricht in der Schule stattfindet. Bis dahin löst ihr bitte folgende Aufgaben, um den Anschluss an den Unterrichtsstoff nicht zu verpassen.

 

  • Sieh dir folgendes Video zum Kolonioalismus im Kongo an: https://www.youtube.com/watch?v=P4UfLQ8-cQg (youtube: Belgien, Brüssel, Leopld II, Kongogräuel: Woher stammt der Reichtum?). Fasse in einem einseitigen Sachtext zusammen, wie sich die belgische Kolonialherrschaft auf den Kongo und seine Bewohner auswirkte.
  • Gegeben ist der untenstehende Sachtext. Fasse die Folgen der Kolonialisierung für das heutige Afrika in einer Mind-Map zusammen.

Quelle – Sachtext zu den Folgen der Kolonialisierung für das heutige Afrika:

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Selbstbestimmungs- und Befreiungsbewegungen in den afrikanischen Kolonien. Der Prozess der Entkolonialisierung begann. Als erster Staat nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Libyen 1951 unabhängig. Der Höhepunkt der Befreiung vom Kolonialismus war die Unabhängigkeit von 18 Kolonien im Jahr 1960. Als letztes Land wurde Namibia 1990 unabhängig und in Südafrika fanden 1994 die ersten freien und demokratischen Wahlen statt.

Allerdings muss man ganz deutlich sagen, dass die afrikanischen Länder, als sie schließlich unabhängig wurden, ein schwieriges Erbe angetreten haben. Keine Kolonialmacht hat die zu ihr gehörenden Länder besonders gut auf die Unabhängigkeit vorbereitet. Das sieht man zum Beispiel an den Einschulungsraten. Der Kontinent hat heute erst Zahlen erreicht, die ein Land wie Korea in den 1950er Jahren bereits hatte. Viele Länder wurden auch bankrott in die Unabhängigkeit entlassen. Eine ganz wesentliche Überlegung der Kolonialherren war eben, dass die Kolonien einfach zu teuer geworden waren.

Der Kolonialismus hatte aber noch viel weitreichendere Auswirkungen auf die Entwicklungen nachkolonialer Staaten in Afrika. So hat die willkürliche Teilung in Herrschaftsgebiete Staaten geformt, die große wirtschaftliche und gesellschaftliche Unterschiede in ihrem Inneren bewältigen mussten. Die Kolonialmächte waren bestrebt, vermeintlich in sich geschlossenen Stämmen ein bestimmtes Gebiet in Afrika zuzuweisen. Tatsächlich setzten sich diese Stämme aber aus verschiedenen Personengruppen zusammen, die in sozialer und kultureller Hinsicht kaum Gemeinsamkeiten aufwiesen. Dies führte häufig zu Konflikten zwischen verschiedenen Ethnien innerhalb des Landes, die nicht selten mit militärischer Gewalt ausgetragen wurden. Außerdem bevorzugten die Kolonialherren nicht selten eine Bevölkerungsgruppe zum Nachteil der anderen Ethnien. Mit dramatischen Folgen: Im Jahr 1994 beging das afrikanische Volk der Hutu einen grausamen Völkermord an rund 800.000 Tutsi in Ruanda. Lange hatten beide Gruppen recht harmonisch zusammengelebt. Zwar galten die Tutsi vor allem als Viehzüchter und die Hutu als Bauern, doch die Grenzen verliefen fließend – bis die belgische Kolonialverwaltung in dem einst zu Deutsch-Ostafrika gehörenden Kleinstaat Ausweispapiere mit einer rassischen Unterscheidung einführten. Während Völkerkundler heute eher davon ausgehen, dass Hutu und Tutsi sich ethnisch nicht wesentlich unterscheiden, hatten die wechselnden Kolonialmächte die Hutu als „primitives Bantuvolk“ eingeordnet, die Tutsi hingegen als ein „adliges Herrenvolk“, das ursprünglich aus Ägypten eingewandert sei. Die Bevorzugung der Tutsi-Minderheit führte nach der Unabhängigkeit zur Verfolgung durch die Hutu-Mehrheit, bis hin zum Völkermord.

Das sture Festhalten der Kolonialherren an dem vereinfachten Bild von den klar abgrenzbaren Stämmen hatte auch Auswirkungen auf die afrikanische Politik. So ließen die Europäer während ihrer Herrschaft in ihren Kolonien nur politische Parteien und Organisationen zu, die sich auf eine Region beschränkten und die Interesse einer bestimmten Ethnie vertraten. Parteien, die ein politisches Programm einbrachten, dass unabhängig von den Stämmen gesamtgesellschaftliche Ziele für alle Afrikaner verfolgte, wurden nicht zugelassen. Diese Linie setzte sich auch in der nachkolonialen Zeit fort. In den meisten Anfang der 1960er Jahre unabhängig gewordenen Staaten gab es anfangs zwar ein Mehrparteiensystem, doch diese Parteien unterschieden sich weniger durch ihre Programme oder ihre Weltanschauung als vielmehr durch ihre ethnische oder regionale Ausrichtung. So wurden Wahlsiege als Siege bestimmter ethnischer Gruppen oder Regionen betrachtet, die nun die Macht im Zentralstaat auf Kosten anderer Gruppen erobert hatten. Die daraus resultierende politische Unzufriedenheit und Instabilität führte in vielen Staaten zu Einparteiensystemen oder Aufständen durch das Militär.

Die aufgezwungenen Verwaltungen und Behörden der Kolonialmächte hatten traditionelle und funktionierende Gruppenstrukturen der Afrikaner, die sich seit Jahrhunderten herausgebildet hatten, gesprengt. Überhöhte Abgabenlasten und Landraub führten zur Verarmung der Bauern. Wanderarbeit und Landflucht waren die Folge. Außerdem vernachlässigten koloniale und nachkoloniale Regierungen trockene und abgelegene Gebiete über Jahrzehnte. Die Schulbildung und Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen war hier deutlich schlechter.

Darüber hinaus betrieben die Kolonialherren den Bau von Infrastruktur für ausbeuterischen Rohstoffabbau. Straßen und Eisenbahnen, Bahnhöfe und Häfen dienten ausschließlich dem Export in die Mutterländer. Weder der Handel innerhalb des Landes wurde gefördert noch eine Industrialisierung angestrebt. Bis heute beschränken die zur Zeit des Kolonialismus gewachsenen Strukturen die Wirtschaft vieler afrikanischer Staaten auf ihre Rolle als Rohstofflieferant. Der starke Fokus auf den Export von Mineralien, Erzen, fossilen Rohstoffen und zahlreichen landwirtschaftlichen Produkten ist in der Regel problematisch, da Rohstoffpreise stärkeren Schwankungen unterliegen als die Preise von Industriegütern und darüber hinaus an den Börsen der Industrieländer ermittelt werden. Die hohe Abhängigkeit von einer geringen Zahl an Exportgütern, wie zum Beispiel Coltan für Handys und Spielkonsolen im Kongo, erschwert die nachhaltige Entwicklung afrikanischer Staaten.

Viele koloniale Einstellungen leben bis heute – häufig indirekt und versteckt – in den Köpfen der Einwohner ehemaliger Kolonialmächte weiter. Auf der anderen Seite benutzen afrikanische Gewaltherrscher und Eliten das koloniale Erbe als Vorwand für die elenden Lebensbedingungen ihrer Bürger, die auch durch Machtmissbrauch und persönliche Bereicherung insbesondere auf Kosten der jungen Bevölkerung entstanden sind. Vor allem die Generation der jungen, gut ausgebildeten Afrikaner will nicht mehr alle Probleme des Kontinents den einstigen Kolonialherren anlasten. Die Enkel der Freiheitskämpfer und Staatsgründer kritisiert immer lauter die weit verbreitete Vetternwirtschaft und Korruption einer politischen Klasse, die vor allem die eigenen Taschen füllen will. Nur allzu oft landen schließlich hohe Geldbeträge der Entwicklungshilfe aus Europa nicht bei der bedürftigen Bevölkerung, sondern bei einflussreichen Machthabern in Afrika, die das Geld zur Selbstbereicherung oder zur Finanzierung von (Privat-)kriegen nutzen. „Es ist ein Skandal, dass an unserem Eisenbahnnetz nicht mehr gebaut wurde, seit die Briten gegangen sind“, meint etwa der junge kenianische Ingenieur Kenneth Wambui. „Vieles ist heute schlechter als zu Beginn der Unabhängigkeit. Das kann man nicht mehr dem Kolonialismus anlasten.“

 

 

Bitte erfragt in der Schule meine E-Mailadresse, wenn es Fragen zu den gestellten Aufgaben gibt. Ich bin jederzeit erreichbar.

 

Beste Grüße

 

Hr. Schade