AB: 30-jähriger Krieg

Öffentlicher Anzeiger für Dargun und Umgebung Nr. 31 vom 3.08.1871

Schicksal des Amtes Dargun während des 30-jährigen Krieges

 

Man hat ausgefunden, dass das Land Mecklenburg, welches vor dem Jahre 1618, da der Krieg anhub, ca. 300000 Einwohner hat, nach Endigung desselben kaum noch 50000 Einwohner hatte und erst nach 50 Jahren nach Ende im Jahre 1700 ist die Volkszahl kaum wieder auf 1/3 der vor dem Kriege vorhandenen angewachsen. Die größte Kriegsnot mit Teuerung, Hungersnot und einer pestartigen Seuche im Gefolge kam mit dem Jahre 1635 über Mecklenburg herein. Zuerst waren die Dänen, die im Jahre 1626, nachdem der bayrische General Tilly bei Lutter am Barenberge auf das Haupt geschlagen, auf der Flucht durch Mecklenburg zogen und sich in der Stadt und Land arge Bedrückungen erlaubten.

 

 

Dann kam im Jahre 1627 das wallensteinsche Heer ins Land, doch ging es danach noch verhältnismäßig glimpflich her, denn der Kaiser hatte seinem Feldherren Wallenstein die Herzogtümer Mecklenburg als Lehen versprochen und der hatte ein Interesse sein Eigentum zu schonen. Die Herzöge wurden dann bekanntlich ihrer Länder beraubt und bis zum Jahre 1630, wo der Schwedenkönig Gustav Adolf den deutschen Protestanten zu Hülfe zog und die Kaiserlichen aus Mecklenburg verjagte, ist Wallenstein Beherrscher im Land gewesen.

Ab 1635 behandelten die Schweden Mecklenburg nunmehr als feindliches Land und ebenso die Kaiserlichen. Sie drangen zur Vertreibung der Schweden wieder ins Land hinein und nunmehr suchten Schweden und Kaiserliche mit wahrhaft teuflischer Bosheit sich gegenseitig an Zerstörungswut zu übertreffen.

Was die Ämter Dargun, Gnoien und Nien-Kalden in jener Zeit erduldeten davon sind noch manche Aufzeichnungen erhalten und sollen hier im Auszuge mitgeteilt werden:

 

Bauhof zu Dargun– ist während des Krieges ganz verwüstet, ist auch kein Vieh daselbst. Die neue Schäferei (Neubauhof) war auch sehr ruiniert. Alle Türen weg, Vieh nicht vorhanden.

 

Levin –In diesem Dorf ist kein Vieh und nichts gesät. In den Häusern sind alle Türen weg, sonst auch im ganzen Dorf die Tore und Zäune weg.

 

Zarnekow –Von den 8 Bauern sind 7 wüst, von den 5 Cossaten auch nur 2 noch dort, die mehrsten anderen entweder alle tot oder in Pommern. In diesem Dorfe ist kein Vieh, auch nichts gesät, alle Türen und Tore sind weg.

 

Warrenzin – Alle 4 Bauernhäuser abgebrannt, die Leute wohnen in den benachbarten Dörfern. Ebenso von den 3 Cossaten waren an einer Stelle alle gestorben, von der zweiten waren noch 2 Mägde in Dänemark, alle Häuser abgebrannt.

 

Brudersdorf – 12 Bauern ganz wüste, von den 4 übrigen hatte der Schulz 1 Ochsen gekauft, sonst kein Vieh im Dorf. Nur der Schulz hat 2 Scheffel Roggen, 2 Gerste, 1 Hafer ½ Erbsen gesät. Von 4 Höfen sind alle Erben todt. 9 Cossatenstellen wüst, mehrere ganz ausgestorben.

 

Röcknitz – Diese Leute tun nur Fahr- und Handdienste und ist gebräuchlich gewesen, dass einer dem andern sein Haus verkaufen möge, sind die Häuser jetzt sehr ruiniert. 28 Einwohner von 12 Häusern waren alle todt, die meisten übrigen weggezogen oder nur Kinder, meist in der Fremde am Leben, unter diesen ein Junker Klert Restorf ist privilegiert.

 

Neu-Baute – Dort war ein Haus von 11 Buden, welches vermietet wurd, die Schmiede und ein anderes Haus, alle wüst.

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Bauhof Wagun mit Schäferei – Der Bauhof von den Soldaten ganz abgebrannt und stand nur das Backhaus. Abgebrannt das Wohnhaus, der neue Stall, der lange Stall, die Roggenscheune, die Gerstenscheune. Die Schäferei stand noch, aber alle Türen waren weg, auch kein Vieh auf diesen Höfen.

 

 

 

Öffentlicher Anzeiger Nr. 33 vom 17.08.1871

 

Es sind Jahre und Jahrzehnte vergangen, ehe die Dorfschaften sich auch nur einigermaßen aus Schutt und Elend erhoben und manche gar nicht wieder erstanden.

In den nicht ganz ausgestorbenen Dörfern waren eine Menge von Hufen herrenlos geworden, die jetzt häufig zu anderen Feldmarken gelegt worden oder als Wald genutzt wurden.

 

Bei der durch den Krieg entstandenen Entvölkerung des Landes fehlte es an Menschenhänden die in Schutt liegenden Häuser wieder aufzubauen, die ruinierten Feldmarken wieder zu bestellen. Wohl kamen neue Ansiedler ins Land aber meist verwilderte rohe Leute ohne Zucht und Ordnung. Im Krieg hatten sie Waffen getragen und legten sie nun ab, um die Dörfer wieder aufzubauen, die sie einst selbst mit Feuer und Schwert verwüstet hatten.